30 Jahre: Archiv der deutschen Frauenbewegung

Bewegte Frauengeschichte seit 30 Jahren in Kassel


 Am 8. März 2014 feierte das Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel sein 30-jähriges Bestehen. Am Internationalen Frauentag 1984 wurde es in Nebenräumen einer Schule am Stadtrand eröffnet, heute liegt es in einem zweistöckigen Häuschen mitten im Univiertel und musste schon vor Jahren ein Außenmagazin hinzu mieten, um die unaufhörlich wachsenden Bestände unterzubringen. Das Archiv der deutschen Frauenbewegung bietet heute die größte und vollständigste Quellensammlung zur Geschichte der Frauenbewegung, ausgehend vom 19. Jahrhundert, in Deutschland.

Zu den wichtigsten Schätzen gehören 45 Nachlässe frauenpolitisch engagierter Frauen, unter ihnen der von Elisabeth Selbert (1896-1986), einer der „Mütter des Grundgesetzes“. Aber auch Unterlagen von 28 Frauenvereinen und -organisationen ganz unterschiedlicher Couleur finden sich im Archiv, von der Frauenfriedensbewegung bis zu konfessionellen Verbänden. Pünktlich zum Jubiläum konnte kürzlich der Aktenbestand des Deutschen Frauenrates aus der Zeit seit 1975 übernommen werden. Zu den Sammlungen gehören außerdem umfangreiche Bild- und Pressearchive und eine Spezialbibliothek mit etwa 36.500 Büchern und Broschüren und 1.700 Zeitschriftentiteln.

Aber das Archiv der deutschen Frauenbewegung ist weit mehr als ein Archiv und eine Bibliothek. Es bietet nicht nur mit seinen Sammlungen eine sprudelnde Quelle für Forschungen, es führt auch selber laufend Forschungsprojekte zu Themen der historischen Frauen- und Geschlechterforschung durch. Daraus sind zahlreiche Buchpublikationen entstanden; zweimal jährlich erscheint die Zeitschrift Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte. Mit all dem wird ein breites Publikum angesprochen, Nutzerinnen und Nutzer kommen nicht nur aus Deutschland, sondern aus aller Welt. In Kassel wird zudem das Kulturleben mit Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen und Stadtrundgängen bereichert.

Im Jahr 2003 wurde aus dem eingetragenen Verein der Anfangsjahre die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung, die seither Trägerin der Einrichtung ist. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2008 mit dem Hessischen Archivpreis; 2011 wurden die Bestände in das Verzeichnis national wertvoller Archive aufgenommen. Seit 1992 unterstützt ein Förderverein, die Freundinnen des Archivs der deutschen Frauenbewegung, die Arbeit.

Alles in allem können die letzten 30 Jahre als erfreuliche Erfolgsgeschichte für das Archiv der deutschen Frauenbewegung betrachtet werden. Aber – wie könnte es anders sein – natürlich bleibt noch viel zu tun. Es muss in jeder Hinsicht fleißig weiter gesammelt werden, nicht nur Bestände für Archiv und Bibliothek, sondern vor allem Finanzierungsgrundlagen für die Absicherung der Einrichtung. Die bisherigen Finanzierungswege über Spenden, Stiftungszinsen, das Land Hessen und die Stadt Kassel sind bei weitem nicht ausreichend, sodass auch die Bundesebene in die Pflicht genommen werden soll. Denn es geht darum, die kulturelle Überlieferung einer der wichtigsten Bewegungen der letzten beiden Jahrhunderte zu sichern!

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