Ein Nachklang zur Veranstaltung „Feministische Zeitschriften in der Frauenbewegung“

Eine voll besetzte Bibliothek bot am 7.9.2017 die Kulisse für einen Abend geballten Frauenwissens und den Austausch zu feministischer Medienarbeit. Ca. 45 Zuschauer*innen lauschten interessiert den Ausführungen eines Podiums, bestehend aus Dr. Antke Engel (ehemals Redakteurin Hamburger Frauenzeitung), Manuela Kay (Gründerin L.Mag), Stefanie Lohaus (Mitbegründerin Missy Magazine) und Dr. Birgit Kiupel (ehemals Mitarbeiterin Hamburger Frauenzeitung, DDF). Zur Präsentation des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) sprachen diese Vertreterinnen feministischer Zeitschriften über die Veränderungen ihrer Arbeit sowie die Rolle der Digitalisierung für den Feminismus.

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Katrin Jäger (l.) und Stefanie Lohaus, © Helga Braun

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V.l.n.r.: Katrin Jäger, Antke Engel, Manuela Kay, © Helga Braun

 

 

 

Das DDF-Portal geht im September 2018 online. Finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird es dauerhaften Zugang zu Informationen und digitalisierten Beständen zur deutschen Frauenbewegung bieten.

Noch bis Dezember 2017 führt auch DENKtRÄUME im Rahmen des DDF ein Projekt durch und sichtet, erschließt und digitalisiert graue Materialien aus dem eigenen Archiv sowie die Hefte der Hamburger Frauenzeitung. Basierend auf den Digitalisaten werden einzelne Themen der Neuen Frauenbewegung in Hamburg für das DDF-Portal aufgearbeitet.

Julia Leiditz (BMFSFJ) ©Daniela Markus

Julia Leiditz vom BMFSFJ verlas in Vertretung des Staatssekretärs Dr. Ralf Kleindiek sein Grußwort, in dem er die anhaltende Aktualität von Politik im Zeichen der Gleichstellung hervorhob, und betonte anschließend in einem kurzen Gespräch mit der Moderatorin die Bedeutung und Notwendigkeit des Digitalen Deutschen Frauenarchivs.

Einen ersten Eindruck des DDF-Portals sowie dessen Ziele und Inhalte – besonders des Hamburger Projekts von DENKtRÄUME – boten Birgit Kiupel und Inga Müller.

Moderiert von Katrin Jäger sprachen die Podiumsgäste unter anderem über die Entstehungsgeschichten und Arbeitsweisen der jeweiligen Zeitschriften, das Verhältnis dieser feministischen Medien zur Digitalisierung und über Zeitschriften als Plattform für gesellschaftspolitische Prozesse sowie als Zeugnisse der Frauengeschichte.

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© Daniela Markus

Abgeschlossen wurde der Abend mit einem informellen Empfang und der Möglichkeit zu Gesprächen mit den Podiumsgästen.

 

 

Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung

Die Krise der heutigen Ökonomie oder Was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können

herrmann_coverDie Autorin Ulrike Herrmann stellt ihr Buch vor (Westend-Verlag 2016)

» Die herrschende ökonomische Lehre bildet nicht die Realität ab. Bereits bei Smith, Marx und Keynes hingegen findet sich fast alles, um unser Wirtschaftssystemzu verstehen.«

„Warum kommt es zu Finanzkrisen? Warum sind die Reichen reich und die Armen arm? Wie funktioniert Geld? Woher kommt das Wachstum? Schon Kinder stellen diese Fragen – aber die Ökonomen können sie nicht beantworten. Viele basteln an theoretischen Modellen, die mit der Realität nichts zu tun haben. Leider kosten die Irrtümer der Ökonomen nicht nur Milliarden, sondern sogar Menschenleben. Wer verstehen will, was falsch läuft, muss die Klassiker kennen: Adam Smith, Karl Marx und John Maynard Keynes. Sie werden an den Universitäten kaum, falsch oder gar nicht mehr gelehrt. Dabei haben diese drei Theoretiker die besten Antworten gegeben. Man muss sie neu entdecken.“ (Westend Verlag)

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Foto: Herby Sachs/WDR – auf: pro-quote.de Bildunterschrift: „Warum wir mehr Frauen in Leitungspositionen brauchen? Weil Frauen teamorientierter sind.“ Ulrike Herrmann, die tageszeitung

Ulrike Herrmann ist Wirtschaftskorrespondentin der taz – die tageszeitung. Sie ist ausgebildete Bankkauffrau und hat Geschichte und Philosophie an der FU Berlin studiert. Von ihr stammen unter anderem die Bestseller „Der Sieg des Kapitals“ (Piper 2015) sowie „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung (Westend 2016)

 

Video/Interview zu ihrem Buch bei ttt -Titel – Thesen – Temperamente extra“ (ARD)

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 19.00 Uhr

Eintritt: 7 €/erm. 5 €

In Kooperation mit umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e. V.

Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Make Fruit Fair – Women on Farms Project

Im Rahmen der Kampagnenarbeit von „Make Fruit Fair“ (Oxfam Deutschland e. V.) kommen im Oktober Frauen vom Women on Farms Project (Südafrika) zu Besuch nach Deutschland, ein Projekt, das sich vor allem um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Frauen auf Weinfarmen in Südafrika einsetzt. Sie werden von ihrer Arbeit und von ihrem Kampf um Arbeitsrechte berichten. Wir freuen uns sehr, drei von ihnen bei uns begrüßen zu dürfen.

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Die Trauben- und Weinindustrie in der westlichen Kap-Provinz erwirtschaftet jährlich Beträge in Milliardenhöhe. Die Arbeiter/innen, die Wein- und Tafeltrauben ernten, haben davon kaum etwas. Sie gehören zu den am schlechtesten bezahlten Beschäftigten in Südafrika und leiden unter ausbeuterischen Verhältnissen. Arbeitsrechte für Farmarbeiter/innen wurden in Südafrika erst 1994, nach dem Ende der Apartheid, eingeführt. Doch werden sie nicht auf allen kommerziellen Farmen eingehalten, und der Staat überwacht ihre Umsetzung nicht ausreichend. Darunter leiden ganzjährig und vor allem saisonal beschäftigte Arbeiter/innen, die häufig nicht organisiert und deren Rechte untergraben werden.

logo wfpWomen on Farms Project (WFP) setzt sich seit Jahren für die Umsetzung der Rechte von Farmarbeiterinnen ein. Das besondere Augenmerk legt WFP dabei auf die Rechte von Frauen auf kommerziellen Farmen. Auf nationaler Ebene ist die Organisation stark in aktuelle Debatten, etwa über die Durchsetzung von Mindestlöhnen, involviert. Auf lokaler Ebene unterstützt WFP Farmarbeiterinnen bei der Überwindung der während der Apartheid geprägten patriarchalen Abhängigkeit. Diese mündet häufig in Bevormundung, Ausbeutung, Arbeitsrechtsverletzungen und schlechten Arbeitsbedingungen. Frauen wissen oft nicht um ihre Rechte und können deshalb ihre Ansprüche nicht geltend machen.

Montag, 16. Oktober 2017, 19.00 Uhr

Eintritt: frei – um Spenden wird gebeten

In Kooperation mit

Oxfam Deutschland e. V.
Frauenwerk der Nordkirche
ver.di – Hamburg Frauen

Feministische Zeitschriften in der Frauenbewegung

Podiumsdiskussion zum Hamburger Projekt „Dokumente der Neuen Frauenbewegung/Hamburg“ des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF)

Die Hamburger Frauenzeitung ist ein wichtiges Zeugnis der Neuen Frauenbewegung in Hamburg. Angefangen als Blättersammlung durchlief sie viele Veränderungen in den Arbeitsprozessen, in den Themen sowie im Layout. Im Digitalisierungsprojekt, das von DENKtRÄUME im Rahmen des Digitalen Deutschen Frauenarchivs durchgeführt wird, spielt sie eine zentrale Rolle. Doch welche (politische) Bedeutung kann so eine Zeitschrift auch für die aktuelle Frauenbewegung haben? Haben sich die Rolle und das Selbstverständnis feministischer Zeitschriften in der zweiten und dritten Welle der Frauenbewegung verändert? Wie haben die Zeitschriften die zunehmende Digitalisierung und die digitalen Plattformen sich zu Nutze gemacht?

Diesen Fragen gehen wir im Gespräch mit Dr. Antke Engel (ehemals Hamburger Frauenzeitung), Manuela Kay (L.Mag), Stefanie Lohaus (Missy Magazine) und Dr. Birgit Kiupel (Digitales Deutsches Frauenarchiv) nach.

Moderation: Katrin Jäger (Journalist*in)

Grußwort: Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Vorstellung „Dokumente der Neuen Frauenbewegung/Hamburg“: Inga Müller

Informationen zum Digitalen Deutschen Frauenarchiv: Dr. Birgit Kiupel

Donnerstag, 7. September 2017, 18.30 Uhr


Einlass: 18.00 Uhr
Eintritt frei

Vorherige Anmeldung per Mail (info[at]denktraeume.de) oder Telefon (040-450 06 44) erbeten.

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BMFSFJ gefördert vom

 

 

Die Veranstaltung wird gefördert von:

ZentrumGenderwissen

www.zentrum-genderwissen.de
Gemeinsame Kommission Gender & Diversity der Hamburger Hochschulen

Wir zeigen noch mal: „Die Revolution der Frauen“

La Révolution des femmes – Un Siècle de féminisme arabe

11111(Feminists Insha’Allah! – The Story of Arab Feminism)

Dokumentarfilm, Tunesien 2014, R.: Feriel Ben Mahmoud, 54 Min., engl. / frz. / arab. OF, dt. UT

Der Film erzählt die in Europa kaum bekannte Geschichte des arabischen Feminismus. Feriel Ben Mahmoud hat dafür Interviews mit Frauen aus verschiedenen Generationen in Ägypten, Marokko, Algerien, Tunesien, Saudi-Arabien sowie im Libanon geführt. Mit zum Teil unveröffentlichtem Archivmaterial belegt sie den seit mehr als einem Jahrhundert andauernden Kampf um Frauenrechte in den muslimisch geprägten Gesellschaften. Der Film zeigt auch, welche innenpolitischen Auseinandersetzungen, aber auch welche außenpolitischen Einflüsse die Emanzipationsbewegungen in den jeweiligen Ländern förderten oder zurückwarfen.

Zentrale Aussage des Films: Ohne Gleichberechtigung der Frauen gibt es auch keine Demokratie!

Zur Regisseurin: Feriel Ben Mahmoud, geb. 1976, studierte Geschichte und Politikwissenschaften in Paris. Seit 2001 produziert sie Dokumentarfilme zum Thema Frauenrechte in arabischen Ländern. Für “La révolution des femmes – Un siècle de féminisme arabe” erhielt sie auf Festivals weltweit zahlreiche Auszeichnungen.

Dienstag, 27. Juni 2017, 19.00 Uhr

Ort: Kino Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 20354 Hamburg

Mit kurzen einführenden Beiträgen zum Film

Eintritt: regulärer Metropolis-Preis (7,50 €/5 € für Mitglieder)

Kooperation von DENKtRÄUME, Terre des Femmes, filia. die frauenstiftung, Yalla


 

Stellungnahme zum Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch

Nachtrag (14.5.2017):

FrauenmarschDa war noch alles gut: Begrüßung zum Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch hinter dem Motto der Veranstaltung: „Offene Tore – offene Herzen“. Dann ging es in überschaubarer Runde um die Binnenalster, am Ende dann sogar über die Mönckebergstraße und dann zurück auf den Rathausmarkt.

Auf der Schlusskundgebung passierte es dann: Die Veranstalterin rief in die „Menge“, ob sie nicht doch Necla Kelek hören wolle. Und so geschah es. Gegen alle Absprachen zu einem mühsam abgerungenen Kompromiss, um ein breites Bündnis wieder möglich zu machen, trat diese auf die Bühne und hielt ihre Rede.

Das war ein (zweiter) eklatanter Vertrauensbruch! Wir DENKtRÄUMErinnnen haben daraufhin sofort unsere Sachen gepackt und haben die Veranstaltung unter Protest verlassen. Und wir entziehen hiermit – sozusagen nachträglich – unsere Unterstützung des Frauen- und MigrantInnenmarsches, so ist keine Zusammenarbeit möglich!

12.5.2017:

Hier findet ihr die Stellungnahme des Hamburger Landesfrauenrats Hamburg, der wir uns anschließen. Auch wir haben lange Diskussionen geführt und uns – mit großen Zweifeln – dennoch entschlossen, die Demonstration weiterhin zu unterstützen. Es geht uns darum, das trotz allem Gemeinsame aufrechtzuerhalten, wünschen uns aber sehr, die begonnene Diskussion um eine „antirassistische, plurale und tolerante Gesellschaft“ mit allen Beteiligten weiterzuführen. Wir bedauern sehr, dass durch die nachträgliche und nicht abgesprochene Veränderung seitens der Kulturbrücke die Basis der Veranstaltung („Weltoffenheit, Selbstbestimmung, Menschlichkeit, gegenseitiger Respekt, Frieden, Freiheit und Demokratie“) nachhaltig erschüttert worden ist.

Außerdem findet ihr auf dieser Seite die Stellungnahme der Kulturbrücke Hamburg sowie das Statement verschiedener Initiativen, die sich von dem Frauen- und MigrantInnenmarsch distanzieren, dessen Inhalte wir in vielen Punkten teilen, aber – wie gesagt – dennoch eine andere Entscheidung getroffen haben.

 

Landesfrauenrat Hamburg: Stellungnahme zum Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch

Der Landesfrauenrat unterstützt weiterhin den 1. Hamburger Frauenmarsch, zu dem wir alle Menschen recht herzlich einladen.

Es gab Irritationen zur Auswahl der Rednerinnen und ein Statement zum Thema Kopftuch, das vorübergehend auf der Webseite des Frauenmarsches zu lesen war. In der Zwischenzeit wurde dieses entfernt, ein Beschluss gefasst, dass es keine Redebeiträge geben wird und eine offizielle Stellungnahme von der Kulturbrücke veröffentlicht.

Der Landesfrauenrat Hamburg wird als Ausstellerin am Samstag dabei sein, weil wir die Idee, gemeinsam gegen jede Form von Frauenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rassismus und für mehr Weltoffenheit und gegenseitigen Respekt auf die Straße zu gehen, richtig und wichtig finden.

Die letzten Tage, in denen wir intensive Gespräche mit den verschiedensten Institutionen und Personen geführt haben, zeigen uns, dass ein Dialog in diesen Zeiten sehr wichtig und unbedingt notwendig ist. Diesen Dialog werden wir fortsetzen.

Kulturbrücke Hamburg e.. V.: Stellungnahme zum Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch

Die Kulturbrücke Hamburg e. V. distanziert sich von der Diskussion zum Thema des Kopftuches auf unserem Marsch am Sa. 13. Mai 2017.

In dem Artikel im Hamburger Abendblatt wurde die Kopftuchdiskussion als Hauptanliegen der Demonstration dargestellt. Frau Pourkian sprach über ihre persönlichen Ansichten als Privatperson, die sich nicht zwangsläufig mit denen der Vereine und Mitaussteller decken.

Kritisiert wurden lediglich die Umstände des Druckes und des Zwanges, unter denen einige Frauen das Kopftuch anlegen, um in Ruhe gelassen zu werden oder dazu gezwungen werden.

Das Kopftuch als ein freiwillig getragenes Zeichen religiöser und kultureller Zugehörigkeit zu tragen, ist das Recht und die Freiheit jeder erwachsenen Frau. Jede Frau, egal ob mit Kopftuch oder ohne, und jeder Mann sind herzlich eingeladen, am kommenden Samstag mit uns für Frieden, Freiheit und Demokratie einzustehen.

Das Hauptanliegen des Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsches ist und bleibt es, Brücken zu bauen, sich auszutauschen und kulturelle Gemeinsamkeiten zu feiern.

Statement: Distanzierung vom Frauen- und MigrantInnenmarsch am 13. Mai 2017 in Hamburg

Wir Unterzeichnenden dieses Statements stehen ein für eine Welt, in der alle Menschen unabhängig von Geschlechtsidentität, kultureller und sozialer Herkunft, Glaube, Alter, sozialem Status, Beeinträchtigung und sexueller Orientierung uneingeschränkt gleichberechtigt zusammenleben. Für eine Welt ohne Sexismus, sexualisierte Gewalt und Rassismus. Für die Erhaltung unserer demokratischen Grundwerte und eine Gesellschaft, die das Wohl aller im Blick hat.

Deshalb hatten viele von uns selbstverständlich unsere Unterstützung für den »Hamburger Frauen und MigrantInnenmarsch« zugesagt, um »[…] mit offenen Herzen, gemeinsam Hand in Hand um die Binnenalster zu marschieren.«➊
Das am 12.04.2017 vorgelegte Konzept dieser Veranstaltung beinhaltete die Kernthemen Weltoffenheit, Selbstbestimmung, Menschlichkeit, gegenseitiger Respekt, Frieden, Freiheit und Demokratie. Das Rahmenprogramm des Tages rief zur Feier der »Vielfalt der Menschen und Kulturen« auf.➋ All dies sind Werte, mit denen wir uns verbunden fühlen und uns solidarisch zeigen wollten.

Am Donnerstag, dem 04.05.2017, mussten viele der involvierten Unterzeichnenden leider umso überraschter feststellen, dass das von ihnen unterzeichnete Konzept und Programm nachträglich und ohne Absprache gravierend geändert worden ist. Ohne ihr Wissen und Zutun, wurde die Philosophie der Veranstaltung in eine Haltung verdreht, mit der wir uns eindeutig nicht identifizieren können und die zudem klar unseren Prinzipien widerspricht.

Folgende Passage wurde auf der Frauenmarsch-Webseite unter »Die Idee« hinzugefügt und mittlerweile wieder entfernt (Stand 06.05.2017)➌:

»Wir wollen Frauen, die aus Angst ein Kopftuch tragen, aufklären. Wir sind der Meinung, dass Verschleierung ein Symbol der Ausgrenzung — in allen ihren Formen sind, vorallem für die Mädchen, die nicht volljährig sind. Wir glauben, dass Emanzipation und Feminismus nicht mit einem Kopftuch vereinbar ist. Kopftuch ist nichts islamisches. Es ist ein historisches Produkt der Patriarchalen Gesellschaft, um Frauen zu kontrollieren. Viele entscheiden sich für das Kopftuch, um in Ruhe gelassen zu werden.«

In einem bevormundenden, belehrenden Ton entmündigt der Veranstalter kopftuchtragende Frauen, generalisieren und stigmatisieren diese. Ganz klar: Diese Haltung widerspricht unseren Grundlagen eines toleranten und pluralen Miteinanders in einer offenen, zugewandten Gesellschaft und unserem Anspruch auf Intersektionalität➍.

Besonders besorgniserregend und erschreckend ist das gesamte Vorgehen: Ohne die unterstützenden Organisationen, von denen sich viele als klar antirassistisch und interreligiös positionieren, zu informieren, wurde dieser intoleranten Haltung eine prominente Bühne im Namen aller geboten.

Als wäre mit diesem Vorgehen nicht schon ein Vertrauensbruch erreicht, mussten wir ebenfalls feststellen, dass beim Frauen- und MigrantInnenmarsch am 13. Mai wissenschaftlich wie politisch umstrittene Personen wie Necla Kelek eine Bühne geboten bekommen — eine prominente Vertreterin von anti-islamischen Weltanschauungen. Necla Kelek ist unter anderem für ihre Unterstützung von Thilo Sarrazins rassistischen Einwanderungs-Thesen bekannt, hat sich diskriminierend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur Sexualität von muslimischen Männern geäußert➎ und sorgt mit pseudo-wissenschaftlichem Populismus eher für Desintegration.

Wir distanzieren uns ausdrücklich nicht nur von der inzwischen von der Webseite entfernten Formulierung➏, sondern auch von den anfangs als Rednerinnen eingeladenen Personen➐ bzw. von den mit ihnen verbundenen Weltanschauungen und von dem Marsch als solchem.

Zudem fordern wir eine [noch nicht erfolgte] Stellungnahme der veranstaltenden Organisation und wünschen uns eine klare Distanzierung aller, die für eine antirassistische, plurale und tolerante Gesellschaft einstehen.

(Hamburg, 10.05.2017)


Das Statement wurde verfasst von den Organisator*innen des Sisters’ March und der SCHURA.
Unten folgt eine Liste diverser Initiativen, die in den vergangenen Tagen unterzeichnet haben. Wenn auch Sie und ihre Organisation dieses Statement unterstützen möchten, kontaktieren Sie uns bitte. Diese Liste wird zweimal täglich aktualisiert (bis Samstag, 15 Uhr). Wir übernehmen keine Verantwortung für die unterzeichnenden Organisationen und repräsentieren diese nicht.

Unterzeichnet von:
Sisters’ March
SCHURA — Rat Islamischer Gemeinschaften in Hamburg e.V.
Trust The Girls
Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Hamburg e.V.
Jüdische Gemeinde Pinneberg
Integrationspunkt Hamburg IPV gemeinnützige UG
Multikulti Werkstatt e.V.
Stiftung Wohnbrücke Hamburg
Islamische Religionsgemeinschaft DITIB Hamburg und Schleswig-Holstein e.V.
Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.
Bündnis Hamburger Flüchtlingsinitiativen (BHFI)
Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation
Das interreligiöse Frauennetzwerk Hamburg
Christine Ebeling, Gängeviertel
Junge Islam Konferenz Hamburg (JIK)
Aktivist*innen von Refugees Welcome Karoviertel
BIG Bündnis Islamischer Gemeinden in Norddeutschland e.V.
Muslimische Frauengemeinschaft in Norddeutschland e.V.
Sisters united e.V.
Liberal-Islamischer Bund — Gemeinde Hamburg
Initiative Harburger Muslime
Deutsch-Ahwazischer Kultur Verein
Hazara Kultur Verein e.V. Hamburg
Bildungs- und Beratungskarawane e.V.


Fußnoten
➊ Zitat aus der Anfrage, die wir am 12.04.2017 von der Kulturbrücke Hamburg als E-Mail erhalten haben
➋ Pressemitteilung, Kulturbrücke April 2017
➌ Screenshots durch mehrere Personen liegen uns vor und können auf Nachfrage verschickt werden.
➍ Soziale Kategorien wie Gender, Ethnizität, Religion, Nation oder Klasse sollen nicht isoliert voneinander konzeptualisiert werden.
➎ https://www.youtube.com/watch?v=kYWA-INbTSE Im Interview mit dem ZDF »Forum am Freitag« (ursprünglich publiziert am 16.07.2010): »Die Menschen haben nicht die Fähigkeit, ihre Sexualität zu kontrollieren, und besonders der Mann nicht. Der ist ständig (…) herausgefordert und muss auch der Sexualität nachgehen (…) — und wenn er keine Frau findet, dann eben ein Tier…«
➏ am 05.05.2017 von der Frauenmarsch-Webseite entfernt
➐ Als Rednerin ist unter anderem auch Zana Ramadani aufgeführt. In ihrem Buch »Die verschleierte Gefahr« schreibt sie: »Das Kopftuch ist das Leichentuch der freien Gesellschaft”. Pauschalisierende Äußerungen, wie »Eine muslimische Frau, die ein Kopftuch trägt, erhebt sich über andere. Sie sagt damit: Ich bin etwas Besseres als Du.« zeugen von einer Haltung, die unserer Vorstellung von Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt widerspricht. Siehe hierzu auch: https://www.welt.de/vermischtes/article163576969/Zana-Ramadani-glaubt-das-Problem-muslimischer-Maenner-zu-kennen.html

 

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Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch

„FRAUEN STÄRKEN FRAUEN!“

Hamburgs Frauen gehen voran – für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde

Der Hamburger Frauen- und MigrantInnenmarsch rund um die Binnenalster

Samstag, 13. Mai 2017, 14.00 Uhr

Was? Frauen- und MigrantInnenmarsch für die demokratischen Werte

Wann? Samstag, 13.5.2017, ab 14.00 Uhr Grußworte auf dem Rathausmarkt, ab 15.00 Uhr marschieren wir um die Binnenalster.  Im Anschluss ab 17.00 Uhr bis 20.00 Uhr lädt die Kulturbrücke mit ihren MitveranstalterInnen die TeilnehmerInnen des Marsches zu einem Dialog mit den AusstellerInnen auf dem Rathausmarkt ein und es wird ein kulturelles Programm geboten werden.

Wo? Auf dem Hamburger Rathausmarkt

Wer? Frauen, MigrantInnen, Alt- und Neuhamburger jeder Nationalität.

Wir HamburgerInnen stehen ein für mehr Weltoffenheit, Selbstbestimmung, Menschlichkeit, gegenseitigen Respekt und Toleranz. Und für ein lebenswertes, sozial-gerechtes und friedvolles Miteinander.

Wir HamburgerInnen wehren uns gegen jede Form von Rassismus, Diskriminierung und Frauenfeindlichkeit. Wir sagen „Nein!“ zu all denjenigen, die unsere Gesellschaft mit rechts-populistischer Propaganda und religiösem Fanatismus spalten wollen und so unsere Grundrechte auf Frieden, Freiheit und Demokratie zu erschüttern versuchen.

Was uns vereint, sind die demokratischen Werte, die unsere internationale Stadt und unser ganzes Land in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben. Mit einem vielfältigen künstlerischen Programm möchten wir die Vielfalt der Menschen und Kulturen feiern.

und viele andere Einrichtungen …