DDF 2022

Frauenbewegung und NS-Täterinnenschaft/Rechtsextremismus

DENKtRÄUME wird 2022 gemeinsam mit der Zentralen Bibliothek Frauenforschung, Gender & Queer Studies Hamburg des Zentrum Gender & Diversity (ZGD) ein neues Digitalisierungsprojekt im Rahmen des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) umsetzen.

Mitte der 1980er Jahre ging der sogenannte ‚Fall Ruth Kellermann‘ durch die Presse: Bei einem öffentlichen Vortrag 1985 in Hamburg im Rahmen der Frauenringvorlesung der Koordinationsstelle Frauenstudien/Frauenforschung (Vorläuferin des heutigen ZGD) wurde ihre NS-Vergangenheit als Schreibtischtäterin bei der Verfolgung der Sinti und Roma öffentlich gemacht. Zuvor war sie in frauenbewegten Kreisen in Hamburg aktiv, unter anderem im Frauenbildungszentrum DENKtRÄUME.

Ausgehend von diesem Fall, der Teil der eigenen Geschichte beider Einrichtungen ist, werden wir uns mit dem Thema Frauenbewegung und NS-Täterinnenschaft/Rechtsextemismus beschäftigen und einem Dilemma der Neuen Frauenbewegung unsere Aufmerksamkeit widmen: Auf der Suche nach weiblichen (emanzipierten) Vorbildern fragte nur ein Teil der Frauenbewegung nach deren Verstrickung in die NS-Verbrechen, ein Großteil übernahm den ‚Frauen waren nur Opfer‘-Mythos ohne dieses Frauenbild zunächst zu hinterfragen. Wie konnte es zu dieser Geschichtsvergessenheit kommen? Warum wurden bestimmte Staffelhölzer der Erinnerung nicht weitergereicht? Die Auseinandersetzung innerhalb der Frauenbewegung mit ‚Frauen und NS-Täterinnenschaft‘ und in Verlängerung dazu mit ‚Frauen und Rechtsextremismus‘ hat bis heute nicht an Bedeutung verloren.

In dem Projekt sollen Dokumente, die im Zusammenhang mit dem ‚Kellermann-Fall‘ und der Diskussion um Täterinnenschaft vorhanden sind, erschlossen, digitalisiert und – sofern rechtlich möglich – veröffentlicht werden. Zudem soll u.a. durch die Erstellung eines Findbuches der umfangreiche Archivbestand der ZGD-Bibliothek zu Frauen/Gender und Rechtsextremismus (Zeitraum 1945 bis heute) recherchierbar gemacht werden, um die Auseinandersetzung mit diesem bis heute wichtigen Thema weiter zu unterstützen. In Ergänzung dazu werden mit Zeitzeug*inneninterviews weitere Einsichten in die Diskussion gewonnen, die als zusätzliche Quelle für die Forschung nutzbar werden. In Essays sollen die verschiedenen Themen: ‚Frauenbewegung und NS-Täterinnen‘, ‚Verfolgung von Sinti und Roma Frauen im NS‘ und ‚Frauenbewegung und Rechtsextremismus bis heute‘ für das DDF-Portal aufbereitet werden.

Projektzeitraum:

  1. Januar 2022 – 31. Dezember 2022

Projektinhalte

  • Digitalisierung von Dokumenten aus den Archiven von DENKtRÄUME und der Zentralen Bibliothek Frauenforschung, Gender & Queer Studies Hamburg des Zentrum Gender & Diversity (ZGD-Bibliothek)
  • Erstellung eines digitalen Findbuches für den Archivbestand Frauen und Rechtsextremismus der ZGD-Bibliothek
  • Durchführung von Interviews mit Zeitzeug*innen
  • Rechteklärung für die Digitalisate
  • Wissenschaftliche Essays für das DDF-Portal

Projektmitarbeiterinnen:

Inga Müller
inga[.]mueller[at]denktraeume[.]de; 040 41 01 856

Nicolli Povijač
nicolli[.]povijac[at]denktraeume[.]de; 040 41 35 41 60

 

Gefördert vom:

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