Lesetipp: Oyinkan Braithwaite,„Der Fluch der Falodun Frauen“

Die Autorin Oyinkan Braithwaite war bisher vor allem bekannt durch ihren Roman „Meine Schwester, die Serienmörderin“, in dem sie  – mit einer guten Prise schwarzem Humor – über Gewalt in der nigerianischen Gesellschaft schreibt.

„Der Fluch der Falodun Frauen“ erzählt anhand magischer Tendenzen von intergenerationalem Trauma. Auf den Frauen der Familie Falodun soll ein Fluch liegen. Die Vorfahrin der Protagonistinnen, Feranmi Falodun, war eine schöne Frau und eine Zweitfrau. Die Erstfrau des Mannes verfluchte Feranmi: Sie und alle zukünftigen Frauen der Familie sollten wunderschön und begehrt sein, aber immer von Männern verlassen werden. Dieser Fluch scheint sich über die Generationen zu bewahrheiten und reicht bis in die Gegenwart.

Erzählt wird die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen und aus Perspektive von 3 Frauen der letzten Generationen. Eniiyi kehrt nach dem Studium zurück nach Hause zu ihrer Familie in Lagos zurück, wo sie mit ihrer Mutter, Großmutter und Großtante lebt. Die Großmutter ist damit beschäftigt, sich einen reichen Mann nach dem anderen zu angeln. Ihre Großtante ist spirituellen Bräuchen verfallen, weil sie den Fluch aufheben möchte und ihren Ehemann zurückhaben will, der sie vor über 20 Jahren für eine andere Frau verlassen hat. Die Mutter Ebun scheint sehr pragmatisch und kümmert sich nicht um Männer. Ihre Schwangerschaft mit Eniiyi war ungeplant gewesen und der Vater unbekannt. Unausgesprochen ist auch Montife noch da, die Cousine der Mutter. Sie hatte Selbstmord begangen, nachdem ihr Liebhaber sie verlassen hatte.

Das Verzwickte in der Geschichte ist eine Verbindung zwischen Eniiyi und Montife. Eniiyi ist an dem Tag geboren, an dem Montife beerdigt wurde, und sie sieht ihr zudem auch noch sehr ähnlich. Insbesondere die Großtante ist der Überzeugung, dass Eniiyi die Reinkarantion ihrer verstobenen Tochter Montife sei, was immer wieder zu Spannungen im ganzen Familiengefüge führt. Eniiyi hat ihr ganzes Leben auch von Montife geträumt und fragt sich selbst immer wieder, wer sie eigentlich ist. Schließlich trifft auch sie einen jungen Mann und verliebt sich. Sie deckt allerdings Verbindungen zwischen ihm und Montifes Vergangenheit auf und sie beginnt sich zu fragen: Sind das eigentlich ihre eigenen Gefühle oder die von Montife? Ist sie tatsächlich die Reinkarnation ihrer Cousine? Ist das der Fluch, der sich wieder zeigt?

Die Vergangenheit von Montife und Eniiys Mutter Ebun wird durch Rückblicke klarer und den Leser*innen werden immer mehr Geheimnisse offenbart, was die Geschichte nur vielschichtiger macht. Es werden immer wieder Querverbindundungen zwischen den Generationen gezogen. Die Autorin zeigt mit ihrer Geschichte, welche Folgen es hat, ein Trauma – hier in Form des Glaubens an einen Fluch – von Frau zu Frau weiterzugeben und wie schwer es ist, aus dieser Spirale herauszukommen. Ein mitreißend geschriebener Roman mit Elementen des magischen Realismus und mitfühlenden Szenen weiblicher Familienbeziehungen über Generationen hinweg.

Oyinkan Braithwaite: Der Fluch der Falodun Frauen. Blumenbar 2025, 432 Seiten, 24,00 Euro

In unserer Bibliothek ausleihbar unter der Signatur: R Bra 6/3

Inga Müller

Das Buch wurde uns vom Verlag als Spende für unseren Bestand zur Verfügung gestellt.

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