Freiheit von der Pille

freiheit von der pilleSeit 50 Jahren gilt die Antibabypille in Deutschland als sicherste Verhütungsmethode. Und noch immer wird sie als Meilenstein für die Emanzipation und Unabhängigkeit der Frau gefeiert. Noch heute nimmt die Mehrheit der Frauen im fruchtbaren Alter verschiedene Formen hormoneller Verhütung in Anspruch. Eine Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2011 ergab, dass 53 Prozent der Befragten der 18- bis 49-Jährigen die Pille einnehmen und weitere drei Prozent andere hormonelle Methoden verwenden. Unter den 19-Jährigen schlucken gut 70 Prozent die Pille. Doch hormonelle Verhütungsmittel bergen nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Neben den Risiken tödlicher Thrombosen und Lungenembolien leben Frauen ganz selbstverständlich mit einer ganzen Bandbreite von Effekten. Darunter u. a. die Verminderung der Libido. Die Pille für den Mann hingegen ist immer noch nicht zugelassen. Wegen der Nebenwirkungen.

kraySabine Kray wurde 1984 in Göttingen geboren. Sie lebt als Autorin (u. a. für die ZEIT) und Übersetzerin in Berlin, wo sie sich als Mentorin für junge Mädchen bei der Bürgerstiftung Neukölln engagiert. Ihr Debüt Diamanten Eddie erschien im Frühjahr 2014.

Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19.30 Uhr

Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Eintritt: 3 €

Eine Veranstaltung der hamburger frauen*bibliothek:

Bücher-Café

rotessofa2Die hamburger frauen*bibliothek präsentiert dreimal im Jahr frauen*relevante Neuerscheinungen: nach der Leipziger Buchmesse im Frühjahr, im Sommer mit dem Schwerpunkt Urlaubslektüre und im Winter mit Neuigkeiten von der Frankfurter Buchmesse.

Das DENKtRÄUME-Team (hin und wieder ergänzt durch er- und belesene Gäste) hat sich für euch umgesehen, sich durch Bücherberge gelesen und freut sich, euch einen Sonntagnachmittag lang allerlei Lesenswertes vorzustellen. Und allerlei Leckeres! Denn bekannterweise gibt es dazu auch immer selbst gebackenen Kuchen … Am Ende der Veranstaltung lockt dann noch eine Tombola mit tollen Preisen.

Und damit die neuen Bücher auch Platz finden, sortiert die hamburger frauen*bibliothek regelmäßig aus: Auf dem bunt gemischten Bücherflohmarkt könnt ihr sonntagnachmittäglich dann echte Bücherschnäppchen machen!

Eintritt: frei

Sonntag, 2. Dezember 2018, 15.00 Uhr

Yongi: oder die Kunst, einen Toast zu essen

Katrin Wolf (filia) im Gespräch mit der Autorin Young-Nam Lee-Schmidt zum Tag der MigrantInnen

index„Ich wurde im Jahre 1952 nahe der alten Königstadt Kongju als jüngstes Kind einer typischen Kleinbauernfamilie geboren. Meine Eltern arbeiteten täglich hart auf dem Feld und meine Mutter musste zusätzlich die kärglichen Erträge auf dem Wochenmarkt verkaufen. Bauern sind eben in der koreanischen Gesellschaft bis heute in dem sozialen Gefüge ganz unten angesiedelt und mein Vater hatte zusätzlich das »Pech«, vier Töchter und nur einen Sohn zu haben, denn Mädchen galten als große Belastung für die Familie, weil nur ein Sohn für die spätere Versorgung der Eltern sorgen konnte. So die damalige Einstellung. Entsprechend hat mein Vater mich nach meiner Geburt auch erst im darauffolgenden Jahr beim Standesamt angemeldet, so dass mein Geburtsdatum auf 1953 lautet.

Auch einen richtigen Namen gab man uns Mädchen damals nicht. »Yongi«, wie man mich meist rief, war eher etwas Allgemeines, kein wirklich persönlicher Name. So wurde ich bis zur Schulzeit immer auch mit dem Namen meiner Schwester gerufen. Immer wurde unser Bruder bevorzugt. Er bekam mehr Essen, bessere Kleidung und wurde auch sonst stets besser behandelt. Ich habe dies im Gegensatz zu meinen Schwestern schon als Kind gehasst und als sehr ungerecht empfunden. Auch die niedrige soziale Stellung meiner Eltern mit sehr viel Arbeit und sehr schlechter Bezahlung machte mich äußerst unzufrieden.

Ich schwor mir: So habe ich mir meine Schulbildung auf der höheren Schule und später das Studium zur Krankenschwester gegen den Widerstand meines Vaters erkämpft. Nichts konnte mich von meinem Traum von einem besseren Leben abbringen.

Schon frühzeitig beschloss ich daher aus dieser Lage auszubrechen und gegen diese Ungerechtigkeiten zu kämpfen.

Am 13.11.1974 kam ich zusammen mit weiteren 155 koreanischen Krankenschwestern, alle Anfang 20, in Deutschland an.
Wir landeten auf dem Flughafen Köln-Bonn, wurden ganz herzlich begrüßt und nach einem einmonatigen Einführungskursus schließlich in ganz Deutschland auf verschiedene Krankenhäuser verteilt.

In den Medien wurden wir als hart und fleißig arbeitende »Engel mit den Mandelaugen aus Korea« immer sehr gelobt, weil wir so »freundlich und fleißig« waren.

Zunehmend genossen wir auch die neuen Freiheiten, welche sich in unserem Gastland boten, an die wir in unserer Heimat nicht einmal hätten denken können:
Schwimmen gehen, Fahrrad fahren, Ski fahren, Auto fahren, Reisen etc.

Meine Seele wurde von einer »eisernen Kette« befreit.

Auch die vielen Kunst- und Kulturangebote haben mich regelrecht begeistert und meinen Geist angeregt. Ich habe einen ganz neuen Lebensmut gefunden. Ich habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen und fortschrittlich zu denken. Das neue Leben hat mir Mut und Kraft gegeben und mir eine ganz neue Welt eröffnet.

Ich habe gelernt, dass mir die Integration in die deutsche Gesellschaft ganz neue Chancen und Perspektiven eröffnet. Auch das Erlebnis der grenzenlosen Freiheit, welches wir in Korea nie gekannt hatten, hat mich sehr geprägt.

Es wäre schön, wenn ich dieses Lebensgefühl an künftige Ausländergenerationen übermitteln könnte.“

Dienstag, 18. Dezember 2018, 19.30 Uhr