Lesetipp: Bianca Jankovska,„Potenziell furchtbare Tage“

Die Journalistin, freie Autorin und Podcasterin („Groschenphilosophin“) Bianca Jankovska schreibt in „Potenziell furchtbare Tage“ über ihr Leben und ihre Erfahrungen mit PMDS. Die Abkürzung steht für Prämenstruelle Dysphorische Störung, eine schwere Form des prämenstruellen Syndroms (PMS) mit starken emotionalen (Depression, Angst, Reizbarkeit), kognitiven und körperlichen Symptomen, die den Alltag stark beeinträchtigen und in der zweiten Zyklushälfte auftreten. In ihrem sehr persönlichen Bericht geht sie der Frage nach, wie Menstruation und menstruelle Gesundheit mit der heutigen kapitalistischen Arbeitswelt zusammenhängen. In fünf Kapitel, die sie in die Gefühle Scham, Schuld, Wut, Schmerz und Hoffnung unterteilt, beschreibt sie Alltagserfahrungen und berufliche Situationen mit PMDS, die genau dies hervorrufen: Scham, Schuld, Wut und Schmerz. Diese Gefühle kennen sicher nicht nur von PMDS-Betroffene, sondern alle menstruierenden Personen mit Schmerzen. Letztlich wird in Jankovskas Buch vor allem eins deutlich: Im Kapitalismus hat jede*r von uns verwertbar zu sein, persönliche „Befindlichkeiten“ hintenangestellt.

Daher hinterfragt Jankovska ausgehend von den von ihr gemachten persönlichen Erfahrungen gesellschaftliche Strukturen und Arbeitswelten kritisch und setzt menstruelles Leiden in einen größeren gesellschaftlichen Kontext. Das Buch ist somit kein Wehklagen über eine sehr schwere Krankheit (was auch vollkommen gerechtfertigt wäre), sondern vor allem eine kapitalismuskritische Gesellschaftskritik, die die aktuellen Anforderungen an Verwertbarkeit, Selbstoptimierung und Ausbeutung von Mensch, Tier und Erde in den Blick nimmt und den Finger in die Wunde legt. Die Zusammenhänge, die Jankovska ausgehend von dem Leben mit der Krankheit PMDS aufzeigt, mögen für feministisch versierte Personen keine Neuheiten sein, sind sie doch im Wesentlichen Teil feministischer Patriarchatskritik. Viele der Ableitungen, die sie daraus zieht, sind wiederum Teil kapitalismuskritischer Haltungen – Konsumverzicht, Arbeitsverweigerung in ausbeuterischen Kontexten, weg von neoliberaler Selbstoptimierung. Sie macht gerade in ihrem letzen Kapitel Vorschläge für ein anderes Herangehen an diese gesellschaftlichen Herausforderungen und überschreibt dieses Kapitel dann auch passend mit „Hoffnung“.

Jankovska klärt mit ihrem Buch nicht nur über PMDS auf, sondern zeigt auch auf, dass Körper und Krankheit auf aktuelle Lebensweisen und gesellschaftliche Umstände reagieren und antworten (können). Richtige Behandlungsmethoden und Forschung sind daher zentral. Ebenso wichtig ist aber auch der größere Blick und das Hinterfragen gesellschaftlicher Strukturen. Jankovskas Buch ist eine klare Absage an den Kapitalismus und die selbstoptimierte Verwertbarkeit. Lektüre absolut empfehlenswert.

Bianca Jankovska: Potenziell fruchtbare Tage. Über Anti-Work, Menstrual Health und das gute Leben. Haymon Verlag 2024, 348 Seiten, 22,90 Euro

In unserer Bibliothek ausleihbar unter der Signatur: Iad 15

Ojdana Triplat

Das Buch wurde uns vom Verlag als Spende für unseren Bestand zur Verfügung gestellt.

Die Kommentare sind geschlossen.