Lesetipp: Ursula Krechel,„Vom Herzasthma des Exils“

Ursula Krechel veröffentlicht seit 1977 Lyrik, Prosa und Theaterstücke. Sie war an verschiedenen Universitäten lehrtätig und ist Mitglied des P.E.N. Zentrums Deutschland. Zurzeit leitet sie die Werkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums und sie wurde dieses Jahr mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Den Titel des Buches „Vom Herzasthma des Exils“ leiht sich Ursula Krechel von Thomas Mann, der damit die Belastungen benennt, die die Entwurzelung und Heimatlosigkeit von Exilanten zur Folge haben. Diese Thematik behandelt sie ebenfalls. Grob chronologisch arbeitet sie dafür die deutsche Geschichte seit der französischen Revolution ab, hebt Einzelschicksale hervor und skizziert damit Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Autorin zeigt auf, wie sehr sich die Migrationsbewegungen Deutschlands und die aktuelle „Flüchtlingskrise“ ähneln und kritisiert scharf, wie deutschland- und europaweit mit Asylsuchenden umgegangen wird.

Die Kapitel sind kurz, die Sätze lang. Die Kapitel, die zwar chronologisch aufeinander folgen, aber nicht aufeinander aufbauen, eignen sich augenscheinlich zum zwischendurch lesen, zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit oder im Wartezimmer vom Zahnarzt. Die Sprache hingegen erfordert durchaus ein gewisses Maß an Konzentration. Es ist zwar keine wissenschaftliche Abhandlung, aber es ist auch nicht das einfachste Buch. Ein Geschichtsstudium wird nicht vorausgesetzt, aber eine Grundkenntnis von (deutscher) Geschichte sollte vorhanden sein. Wir empfehlen das Buch allen, die jetzt schon wissen, was das Hauptthema bei der nächsten Familienfeier sein wird.

Ursula Krechel: Vom Herzasthma des Exils, Cotta, 2025, 167 Seiten, 18,00 Euro

In unserer Bibliothek ausleihbar unter der Signatur: Acd 105

Emma

Das Buch wurde uns vom Verlag als Spende für unseren Bestand zur Verfügung gestellt.

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