Wieder-Lesen (nicht nur) in Corona-Zeiten: Tipps aus unserer Schatzkiste

Zeit ist, neben der besseren Luft, ein Geschenk des sogenannten Lockdowns in Hamburg gewesen. Außerdem wurde die gesamte Bibliothek von DENKtRÄUME aus den Hunderten von Kartons (etwa 300) wieder ans Tageslicht befördert, nachdem die drohende Schließung abgewendet werden konnte. Darunter waren auch die alten Schätzchen aus den 1980er- und 1990er-Jahren, die ihren Weg zu mir fanden. Hier ein kleiner Abriss der Lektüre, die herrlich nostalgisch, aber immer politisch bewegt war.

Rita Mae Brown: Die Tennisspielerin ( „Sudden Death“) 1983

Rita Mae Brown wurde 1944 in den USA geboren und gehörte 1970 zu den Begründerinnen der Radicalesbians. Bekannt wurde sie 1973 mit ihrem Buch „Rubinroter Dschungel“, das 1973 erschien und – vergleichbar mit „Häutungen“ von Verena Stefan – eine wichtige Rolle für die sich in Gründung befindende neue westdeutsche Frauenlesbenbewegung spielte.

Zehn Jahre später verfasste Brown ein von vielen als Schlüsselroman rezipiertes Buch über den damals hochaktuellen Tenniszirkus. Der englische Titel „Sudden Death“ wird mit seiner Mehrdeutigkeit dabei den Inhalten gerechter, denn nicht die damals erfolgreichste Tennisspielerin Martina Návratilová, die über dreihundert Wochen die Nummer eins im Damentennis war, steht im Mittelpunkt des Buches, sondern die Vermarktung von Weiblichkeit. Dieses hochbrisante politische Thema geriet leider in den Hintergrund vor der Tatsache, dass gerade in der Frauenlesbenbewegung die Tatsache, dass Martina Návratilová drei Jahre lang eine Liebesbeziehung mit Frau Brown führte, das Persönliche pointiert. Auch als Nicht-Tennisfan fand ich das Lesen von „Der Tennisspielerin“ sehr unterhaltsam, als eine witzige, skurrile Schilderung aus dem Inneren des Tenniszirkus, über glückliche und weniger glückliche Frauenliebe, die in ausgesprochen spannend geschilderten Ballwechseln auf dem Platz nicht nur harmonisierend oder verbal ausgetragen werden. Ich habe mir vorgenommen, falls ich die Zeit finde, in einige der von Rita Mae Brown zwischen 1992 und 2014 verfassten insgesamt 24 Katzenkrimis zu schauen, die bei DENKtRÄUME ab dem 23. Mai 2020 wieder ausgeliehen werden können.

Claire McNab: Krimireihe mit der lesbischen Kommissarin Ashton

Nachdem ich einmal angefangen hatte mit einem Krimi von Claire McNab, konnte ich nicht umhin, mich dem Serienvergnügen hinzugeben, das mit demselben Personal, einigen Klischees, nicht zu viel Spannung, überschaubarer Länge und einem zentralen politischen Thema meine Erwartungen immer erfüllte. Mir ging es offenbar nicht alleine so, denn Claire Carmichael, 1940 in Melbourne geboren, verfasste unter dem Pseudonym Claire McNab insgesamt 17 Krimis in der Zeit zwischen 1988 und 2012.

Etwa ein Jahr vor seiner Veröffentlichung im Verlag Frauenoffensive erschien der Originaltitel auf Englisch bei Naiad Press, die sich als Verlag von 1973 bis 2003 erfolgreich auf lesbische Literatur spezialisiert hatten. 1994 zog die bis dahin als Lehrerin in Sydney tätige Autorin der Liebe wegen nach L.A., während ihre Krimis weiterhin in Sydney spielten.

„Ausradiert“ (im Original „Cop Out“, 1991) handelt vom Mord an einem schwulen Erben eines Firmenimperiums, der versucht, mit einer Ehe den Schein zu wahren. In „Das Ende vom Lied“ (im Original „Dead Certain“, 1992) versucht eine Familie der Oberschicht mithilfe einflussreicher Politiker, den Mord an einem bisexuellen, berühmten Sänger, der sich mit Aids infiziert hatte, als Unfall darzustellen. Zwei Jahre später schildert der Roman „Bodyguard“ die mediale wie die rechte, in diesem Fall mörderische Hetze gegen eine bekannte, fiktive amerikanische Feministin, die strikt jede Verbindung mit lesbischer Identifikation meidet. Das Thema Kinderpornographie steht zwar als Motiv im Zentrum des Romans über einen Serienmörder in „Kettenbrief“ (Original „Chain Letter“, 1997), wird jedoch nicht weiter thematisch ausgebreitet. „Überfällig“ (Original „Past Due“, 1998) schildert spannend das Thema Reproduktionstechnologien, vor allem aus schwul-lesbischer Perspektive.

Auch diese Autorin und ihre spannenden Werke sind, wie viele weitere, zu finden in der DENKtRÄUME-Bibliothek.

Ele – DENKtRÄUMErin

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